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Freitag, 30. Oktober 2026

Nachruf für Antje Kunstmann



Ach liebe Antje, 
es ist gerade mal 7 Jahre her, da hast Du (fast) alle Deine Freundinnen überzeugt und überredet, 
mit Dir eine dreiwöchige Reise in die Mongolei zu machen. Das war eines von vielen größeren und kleineren Abenteuern, die ich mit Dir erlebt habe. 
Ebenso wichtig aber war der Alltag mit Dir - die vielen Telefonate, die Einkaufstouren, die spontanen Treffen, die gemeinsamen Essen an dem großen Tisch in deiner schönen Wohnung, und all die Gespräche über Menschen, Bücher, Kunst und Politik - genauso wie Tratsch und Klatsch.

Ich vermisse Dich jeden Tag und höre Deine Stimme und Dein Lachen. Igendwie warst Du immer da und erreichbar - zugewandt und von einer fast grenzenlosen Großzügigkeit. Die schönsten Geschenke, die wundervollsten Blumensträuße kamen aus der Kreittmayrstraße - die nettesten Damennachmittage und interessantesten Abendessen, bei denen Du alle Deine Freunde verschwenderisch geteilt hast, fanden bei Dir statt. Von all dem habe ich profitiert und gelernt. Unter anderem auch davon, wie Du mit Deiner Krankheit umgegangen bist. 


Du warst die einzige Freundin, mit der ich meine Liebe für Wiesenblumen und Sträuße teilen konnte, im frühen Frühling schon sind wir losgezogen um die ersten Zweige und Blumen zu finden. An vielen Wochenenden waren wir am Starnberger See mit strengen Ritualen: nach dem Spaziergang gab es Rhabarberkuchen, dann wurde eine Runde geschwommen, auf dem Liegestuhl gelesen und gedöst. Und am frühen Abend gab es dann die Renke am Seeufer. Wir waren auf der Jagd nach Sternschnuppen (vergeblich!), unterwegs in Neapel, in Syrakus, bei Feueralarm in einem Kopenhagener Hotel, in Stockholm bei der Preisverleihung des Astrid-Lindgren-Awards an Wolf Erlbruch, und auf Buchmessen in Frankfurt und Bologna. Beim Einkaufen, ob auf Flohmärkten oder Kaufhäusern, hattest Du immer einen besonders scharfen und sehr guten Blick für Schönes und Ausgefallenes. Einiges davon gibt es in meiner Wohnung und erinnert mich an so viele schöne Ereignisse und Jahre.
Dafür danke ich Dir, liebe Antje.

Was Deine großartigen verlegerischen Pionierleistungen, Deine Verdienste und Dein Engagement auf so vielen Gebieten betrifft, so wünsche ich mir sehr, dass Dein Verlag auf seiner Website irgendwann dann doch eine riesengroße Verbeugung vor Dir machen wird.
2019 Mongolei

Montag, 5. Oktober 2026

Gedicht im Oktober

Oktober

Es kommt eine Zeit,


da fragen wir uns:

Was soll denn nur werden?


Die Luft schmeckt

so bitter.


Die Vögel sind

über alle Berge.


Der Nebel macht

die Häuser bleich.


Die kleinen Tiere gehen

unter der Erde spazieren.


Aufs Dach trommeln

Kastanien.


Wir müssen ins Haus zurück,

da hält uns der Regen gefangen.


Elisabeth Borchers







Sonntag, 6. September 2026

Gedicht im September

Herbstgedicht

Ich schreibe dir ein Herbstgedicht
von überreifen Birnen.
Um Äpfel, Zwetschgen geht es nicht:
Dies ist ein reines Birngedicht,
so tief im Laub und gelb im Licht,
so schwer, das hier die Zeile br
                                                    ic
                                                            ht.

Jürg Schubiger




Donnerstag, 3. September 2026

Günter Kunert Preis für Literatur geht an Arne Rautenberg





Alle 38 Wachteln gratulieren Arne Rautenberg zum Günter-Kunert-Preis für Literatur, den er für seinen Gedichtband "19 Türen"erhält.
Das Buch ist im Wunderhorn Verlag, Heidelberg erschienen.

Aus der Pressemitteilung der Stiftung: 
»Mit Günter Kunert und Arne Rautenberg begegnen sich im Rahmen des Preises zwei herausragende Lyriker, deren Leben und Arbeiten auf unterschiedliche Weise eng mit Schleswig-Holstein verbunden sind. Der Preis schlägt damit eine literarische Brücke […] und macht zugleich die Vielfalt und Qualität der Literaturlandschaft Schleswig-Holsteins sichtbar. Die Jury entschied sich für Arne Rautenberg als Preisträger, weil sein Werk in besonderer Weise für sprachliche Eigenständigkeit, Experimentierfreude und eine zeitgemäße Weiterentwicklung lyrischer Formen steht.«

Die Preisverleihung findet am 14. März 2027 in Itzehoe statt.

Arne Rautenberg
19 TÜREN
Gedichte
96 Seiten
gebunden
ISBN: 978-3-88423-752-6
EUR 24,00 


Arne Rautenberg, geboren 1967 in Kiel, lebt als Dichter in seiner Geburtsstadt. 
2020 erhielt er die Poetikdozentur am Literaturinstitut Hildesheim, das Hermann-Hesse-Stipendium und den Kulturpreis der Stadt Kiel. 2022/23 war er Rompreisträger der Villa Massimo in Rom. 
2024 erhielt Arne Rautenberg die Joseph-Breitbach-Poetikdozentur in Koblenz und 2025 den Kai-Hoff-Literaturpreis. Mit seiner Lyrik, mit Gedichten für Kinder und seiner visuellen Poesie ist Arne Rautenberg einer der vielseitigsten zeitgenössischen Dichter im deutschen Sprachraum.

Im Frühjahr ist im Peter Hammer Verlag der Gedichtband "38 Wachteln kommen zum übernachteln" erschienen. 



Arne Rautenberg und Rotraut Susanne Berner
Achtunddreißig Wachteln kommen zum Übernachteln
123 Gedichte
gebunden
136 Seiten
Ab 5 Jahre€ 
20,00*

Montag, 31. August 2026

"Karlchen"-Serie im ZDFtivi - ab 2. September immer um 18:35


Ab Mittwoch, dem 2. September sendet das ZDF (tivi) immer um 18:35 die 5-Minuten-langen Zeichentrickfilme über Karlchen, seine Familie und seine Freunde. Bekannt ist Karlchen aus den Büchern, die im Carl Hanser Verlag erschienen sind.

https://kommunikation.kika.de/presse-informationen/pressemitteilungen/2026/karlchen-110.html



                                     

    





...und auf jeden Fall anschauen!!
70 Minuten ab vier Jahren, im Kino oder als dvd.


Donnerstag, 20. August 2026

Gedicht im August




JOACHIM RINGELNATZ

Der Stein

Ein kleines Steinchen rollte munter
Von einem hohen Berg herunter.

Und als es durch den Schnee so rollte,
Ward es viel größer als es wollte.

Da sprach der Stein mit stolzer Miene:
,Jetzt bin ich eine Schneelawine‘.

Er riß im Rollen noch ein Haus
Und sieben große Bäume aus.

Dann rollte er ins Meer hinein,
Und dort versank der kleine Stein.

1910

© Illustrationen: Rotraut Susanne Berner; "Berg" und "Meer": Einfach alles, Klett Kinderbuchverlag, 
Ziege: Hilal Sezgin: Hilal Sezgins Tierleben, C.H.Beck 

Dienstag, 7. Juli 2026

Gedicht im Juli

Arche Noah


Als Noah die Arche Noah erschuf,

folgte jedes Tier seinem Ruf

und fand sein Heim

in einem Reim.




Nur für den Vogel gab's kein Wort.

Die Vögel flogen traurig fort.

Allein das Vogelei

Kam durch Mogelei

an seinen Ort.

Christa Reinig

1926 - 2008


© Text: Christa Reinig, Illustration: Rotraut Susanne Berner